Donnerstag, 30. August 2007

Heiligenbilder in Mexiko





Ex Votos in einer Hacienda im Bundesstaat Michoacán [Fotos: C. Hoff]

Meistens sind sie sehr klein, füllen noch nicht einmal ein A4-Blatt im Querformat aus. Sie hängen in Kirchen, aber auch in Privathäusern: In Mexiko sind die Ex Voto auch heute noch von Bedeutung, sie sind ein Teil der Volkskunst. Schematisch sind sie immer gleich aufgebaut: Eine einfache, leicht verständliche und farbenfrohe Szene, darunter einige Zeilen, die das Erlebte erzählen und den Heiligen für Errettung danken. Mehr oder weniger drastisch werden Un- und Überfälle, menschliche Verfehlungen wie zum Beispiel Alkoholmissbrauch, aber auch Seitensprünge und andere sexuelle Ausschweifungen gebeichtet und die Danksagung für die Errettung durch einen Heiligen, oft die Jungfrau Maria, ausgedrückt. Ex Votos wurden auch Vorbilder für mexikanische Künstler, so hingen viele davon in der Casa Azul von Frida Kahlo in Mexico City. Sie verwendete die beschriebenen Schemata der Ex Voto auf einigen ihrer Gemälde.

Mexikanische Wand-Werbung





[Fotos: C. Hoff]

Mittwoch, 29. August 2007

Webtipp: Die legendäre Fotoagentur Magnum

http://www.magnumphotos.com/Archive/C.aspx?VP=XSpecific_MAG.AgencyHome_VPage&pid=2K7O3R1VX08V

Lesetipp: Tatort. Der Mord zum Sonntag.

[Foto: du Magazin]

Der Sonntagabend ist tabu, jedenfalls bei mir. Das Telefonklingeln wird ignoriert, die Chipstüte ohne schlechtes Gewissen aufgerissen, ein Glas Wein getrunken. Es ist Viertel nach acht. Bei mir läuft wie fast jeden Sonntag der "Tatort". Am liebsten mit Frau Furtwängler, aber Ballauf und Schenk tun's auch. Dem Phänomen Krimi widmet sich das neueste du-Heft, das heute am Kiosk erscheint.

du779 - Tatort. Der Mord zum Sonntag

24 - Tatort am Werktag. Das populäre Kölner Team, Ballauf, Schenk & Co. bei der Arbeit. Fotografien von Hardy Mueller
26 - Die Heimatflüsterer. Im Tatort ist das Regionale immer noch gut deutsch. Und wenig authentisch.
30 - Brisanz gibt es nicht zum Nulltarif. Wer etwas über den Zustand des Landes erfahren will, schaltet den Tatort ein.
34 - Tatort Münster: Undidaktisch und politisch unkorrekt. Sternstunden jenseits der Geschmacksgrenzen.
35 - Unsere Frau Krause. In Köln laufen alle Fäden zusammen. Zu Besuch beim ard-Tatort-Koordinator.
38 - Selbstfindung auf der Couch. Die beste Nachhilfe in Sachen Demokratie ist eine lange Tatort-Nacht.
39 - Der Erfinder: Gunther Witte.
40 - Weegee – immer der erste am Tatort. Ein Ausschnitt aus dem Werk des grossen amerikanischen Fotografen.
44 - Von A bis Z. Ein Tatort-Glossar.
58 - Die Jägerin: Schauspielerin Ulrike Folkerts.
59 - Die spinnen, die Künstler! Über Klischees und gesellschaftliche Vorurteile.
62 - Die Erzählerin: Filmautorin Dorothee Schön.
66 - «War aber noch eener von die besseren!» Lieber Dunkelhaft als eine lange Tatort-Nacht.
70 - Der Verfolgte: Trailerfigur Horst Lettenmayer.
70 - Der Verführer: Filmkomponist Klaus Doldinger.
72 - Das Tatort-Quiz. Welcher der Herren trägt keinen Schnauz?

Literaturtipp: Briefwechsel zweier Künstler

[Foto: Amazon]

Der Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und Paula Modersohn-Becker gibt Einblicke in Künstlerseelen und -leben um die Jahrhundertwende. Schauplätze sind vor allem die Wohnorte der Künstler zu dieser Zeit: Berlin und Worpswede. Wie immer schön gestaltet der Umschlag des kleinen Büchleins: blau-weiße florale Muster des Jugendstils.

Paula Modersohn-Becker: Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke. Mit Bildern von Paula Modersohn-Becker. Insel-Bücherei Nr. 1242, 114 S., 13,80 EUR.

Dienstag, 28. August 2007

Webtipp: Berliner Botschaften

Das Architektur-Online-Portal BauNetz präsentiert in einem virtuellen Rund-gang Berliner Botschaftsgebäude:

Sonntag, 26. August 2007

Reisetipp: Bauhaus und Meisterhäuser in Dessau

Von Claudia Simone Hoff





[Fotos: C. Hoff]

In der heutigen Provinz finden sich oftmals beeindruckende Zeugnisse unserer kulturellen Vergangenheit. So verhält es sich auch mit der sachsen-anhaltinischen Stadt Dessau. Mit ihrem Namen wird vor allem eine Epoche und ein Name verbunden: Die 1920er Jahre und das damals hier ansässige Bauhaus.

Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man auch in Deutschland, dass industriell gefertigte Produkte Kulturgüter waren. Für das Bauhaus bedeutende Vorläufer in Deutschland waren die Kunstgewerbeschule Henry van de Veldes in Weimar und die Gründung des Deutschen Werkbundes 1907 unter Walter Gropius und Peter Behrens. Als das Bauhaus 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde, begann es mit Formulierung einer Utopie: Der "Bau der Zukunft" sollte alle Künste in idealer Einheit verbinden. Kunst und Technik sollten verbunden werden, das Handwerk gestärkt. Aus diesem Programm gingen Werkstätten für Metall, Weberei, Keramik, Möbel, Typographie und Wandmalerei hervor. 1919 verkündet das Bauhaus-Manifest, dass das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit der Bau sei. Berühmte Baumeister waren am Bauhaus tätig, u. a. Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe.

In Dessau finden sich einige bedeutende Architekturen des Bauhauses, das dort 1925 bis 1932 ansässig war: Das Bauhaus-Gebäude mit seinen Werkstätten, dem Theatersaal, der Mensa und dem Studentenheim sowie die Meisterhäuser, das in einer Elbschleife gelegene Restaurant Kornhaus, die Siedlung Dessau-Törten und das Arbeitsamt. In den letzten 10 Jahren wurden das Bauhaus-Gebäude und die Meisterhäuser aufwändig saniert und stehen seit 1996 auf der UNESCO-Welterbe-Liste. Für die Besichtigung der wichtigsten Bauten sollte man sich mindestens einen Tag Zeit nehmen. Das Bauhaus-Museum bietet auch informative Führungen durch das Bauhaus-Gebäude und die Meisterhäuser an.

Das Leitbild des erzieherischen und sozialen Anspruchs des Bauhauses wirkt noch heute nach und war besonders bedeutend für die Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, an der u. a. Max Bill und Otl Aicher wirkten.

Bauhaus-Museen:

http://www.bauhaus-dessau.de/

http://www.bauhaus.de/

http://www.kunstfreunde-weimar.de/kusa/web/index.php/de/bau/allg/

Meisterhäuser:

http://www.meisterhaeuser.de/

Bauhaus-Manifest:

http://www.bauhaus.de/bauhaus1919/manifest1919.htm

Restaurant Kornhaus Dessau:

http://www.kornhaus.de/

Webtipp: Tanz - so schön!

[Foto: Anders Roren]

http://www.akramkhancompany.net/

Ausstellungstipp: Museo del Prado, Madrid



Man kann Madrid nicht verlassen, ohne es gesehen zu haben: Das Museo del Prado birgt so viele bedeutende Kunstschätze, besonders spanische, die man nicht verpassen sollte. Ikonen der Kunstgeschichte sind darunter, unter anderem "Las Ninas" von Diego Velázquez, "Die drei Grazien" von Peter Paul Rubens, ein Selbstporträt Albert Dürers, der "Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch und besonders die 150 Gemälde umfassende Goya-Sammlung.

Anschrift und Verkehrsanbindung:
Paseo del Prado, 28014 Madrid
U-Bahn Atocha, Banco de Espana

http://museoprado.mcu.es/home.html




[Fotos C. Hoff]

Samstag, 25. August 2007

Reisetipp: Monte Verità

Von Claudia Simone Hoff





[Fotos: C. Hoff]

Dieser Hügel über Ascona im Schweizer Kanton Tessin ist Legende. Diese Legende lässt sich besichtigen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Monte Verità, der Berg der Wahrheit, Sitz einer Künstlerkolonie, die den Ideen der Reformbewegung folgte. Im Herbst 1900 hatte eine kleine Gruppe um Henry Oedenkoven den Hügel erworben. Man lebte vegetarisch, verbrachte die Tage nackt draußen und frönte dem Ausdruckstanz und aß Müsli - die Vorläufer einer Hippie-Kultur sind hier zu finden. Die Künstler des Monte Verità standen im Zentrum von Bewegungen wie dem Anarchismus, der Psychoanalyse und der Anthroposophie. Else Lasker-Schüler, C. G. Jung, Hermann Hesse, Hugo Ball oder Hans Arp hielten sich auf dem Monte Verità auf und machten den Berg mit ihren (künstlerischen) Äußerungen zum Mythos.

Drei Gebäude können heute in einem Museumsrundgang besichtigt werden: die Casa Anatta, Casa Selma und der Holzpavillon Chiaro mondo dei beati. Nachdem die Kolonie 1920 verlassen wurde, erwarb der deutsche Bankier und Kunstsammler Eduard von der Heydt 1926 das gesamte Gelände und ließ den Architekten Emil Fahrenkamp ein Hotel im Bauhaus-Stil errichten, das heute noch als solches genutzt wird. Seit 1964, mit dem Tod von der Heydts, ist der Monte Verità im Besitz des Kantons Tessin.

Zur virtuellen Bergbesteigung geht es hier:

Freitag, 24. August 2007

Literaturtipp: Das Ende einer Hochzeitsnacht

Von Claudia Simone Hoff



[Foto: Diogenes/Amazon]

Dieses Buch erschüttert. Es erschüttert deshalb, weil eine einzige Nacht, in der nicht das passiert, was passieren sollte, alles zerstört. Und eigentlich nur, weil die Protagonisten dem anderen nicht das sagen können, was sie ihm eigentlich sagen möchten. Sie sind gefangen in ihren eigenen Gefühlswelten und den gesellschaftlichen Konventionen. Das Nichtstun führt geradewegs in eine Katastrophe, die es so nicht hätte geben müssen.

Der Roman spielt im puristischen England des Jahres 1962. In fünf Kapiteln schildert McEwan die Hochzeitsnacht und darin eingewoben die Geschichte des Historikers Edward und der Violinistin Florence. Beide kommen aus sehr unterschiedlichen sozialen Milieus. Während Edward in bescheidenen Verhältnissen aufwächst und sich in der Familie alles um die geisteskranke Mutter, um derenwillen das Bild einer heilen Familie aufrechterhalten wird, dreht, wächst Florence in begüterten Verhältnissen auf. Als Tochter eines Industriellen und einer intellektuellen, aber emotional distanzierten Mutter besinnt sie sich ganz auf die klassische Musik und ihre Ausbildung zur Geigerin. Edward hingegen liebt Jazz- und Rockmusik. Trotz aller Unterschiede scheinen sich die beiden aufrecht zu lieben.

McEwan beschreibt in diesem kurzen Roman dicht und atmosphärisch die äußeren Umstände der beiden Protagonisten, aber immer wieder auch ihre inneren Zustände. Es geht um Ängste, Wünsche, Unausgesprochenes. Darum, wie sich zwei Menschen, die sich eigentlich nah sind, doch auch immer fremd bleiben. Von dieser Spannung lebt das Buch. Aber auch davon, dass der Leser weiß, was Edward und Florence denken, die beiden sich jedoch nicht getrauen, ihre Gefühle gegenseitig einzugestehen. Durch dieses Nichteingestehen nehmen die Gespräche der beiden eine ganz eigene Dynamik an, eine, die unweigerlich in die persönliche Katastrophe führt. Durch eine Hochzeitsnacht, zu deren Vollzug es nicht kommt, scheitert eine ganze Beziehung, es kommt kurze Zeit später zur Scheidung. Und auch Edward weiß zum Ende des Romans, inzwischen 60jährig, dass es ein Fehler war, seine große Liebe Florence aufzugeben. Dass ein paar unausgesprochene Worte alles, sein ganzes Leben, geändert hätten.

Bis zum Ende des Romans bleiben Verwirrung, Rätsel, Irritation, aber auch Spannung.

Ian McEwan: Am Strand. Diogenes 2007. 208 S., 18,90 EUR.

Donnerstag, 23. August 2007

Webtipp: Architektur von Luis Barragán







Häuser von Luis Barragán in seiner Geburtsstadt Guadalajara, Mexiko [Fotos: C. Hoff]

Wer mehr über den mexikanischen Architekten und Pritzker-Preisträger aus dem Jahr 1980 Luis Barragán (1902 - 1988) erfahren möchte:

Reisetipp: Atelierhaus in Zürich

Von Claudia Simone Hoff



[Fotos: C. Hoff]

Man wähnt sich in einer anderen Welt, sobald man das Atelier des Bildhauers Hermann Haller (1880 - 1950) in der Höschgasse in Zürich betreten hat. Es ist ein fast magischer Ort, der das Leben und Werk des Schweizer Künstlers erspüren lässt. Nicht nur die Lage fast direkt am Zürichsee und neben einer Villa von Le Corbusier, auch der einfache helle Holzbau versprüht einen fast melancholischen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Das zweistöckige, offen gestaltete Atelierhaus ist mit Skulpturen, Gemälden und privaten Dingen Hallers gefüllt.

Nachdem Haller sich dem Studium der Architektur und Malerei gewidmet hatte, wechselte er nach einem Aufenthalt in Rom in den Jahren 1903 bis 1909 zur Bildhauerei. Bis zum Kriegsausbruch 1914 lebte er in Paris und setzte sich intensiv mit den Werken von Auguste Rodin, Aristide Maillol und Antoine Bourdelles auseinander. 1914 übersiedelte Haller nach Zürich. Dort schuf er ein großes öffentliches Oeuvre und nahm regelmäßig an den großen Kunstausstellungen im Zürcher Kunsthaus teil. In den 1920er Jahren gehörte er zu den bekanntesten Bildhauern im deutschsprachigen Raum. Hallers bildhauerisches Werk besteht vor allem aus weiblichen, oft lebensgroßen Akten und Porträt-Büsten, die eine archaische Strenge ausstrahlen.


Reisetipp: Kunst auf dem Berg

Von Claudia Simone Hoff



[Fotos: C. Hoff]

Der Schweizer Furkapass ist nur drei Monate im Jahr zugänglich - die restliche Zeit ist der Pass aufgrund des strengen Wetters unpassierbar. Er verbindet die Schweizer Kantone Uri und Wallis miteinander. Man biegt kurz vor dem Gotthard-Tunnel rechts ab und dann geht es steil bergauf. Hier steht auf der Passhöhe auf 2480 Metern Höhe das Hotel "Furkablick" aus dem 19. Jahrhundert, dessen Originaleinrichtung noch vollständig erhalten ist. Und so wähnt man sich in einem Thomas-Mann-Roman, wenn man durch die Etagen streift: holzgetäfelte Räume, Hirschgeweihe, Waschzuber, dicke Daunenbetten und Balkone ohne Boden. Wäre da nicht ein moderner Anbau mit Restaurant und spektakulärer Terrasse von Rem Koolhaas. Hier kann man einen Kaffee trinken und die grandiose Naturkulisse auf sich wirken lassen.

Nach der kulinarischen Stärkung bietet sich eine Erkundung des Geländes an. Dort findet man neben Bergblumen, Gletschern, steilen Hängen und Schweizer Armee-Gebäuden auch Kunst von Weltrang. Das Projekt Furkart integriert Kunst in die Natur. Diese Kunst ist für jeden Besucher frei zugänglich und oft auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar oder gar in Berghütten versteckt. Das Hotel ist mit Fensterläden versehen, die der französische Künstler Daniel Buren mit seinen charakteristischen Streifen versah - Grün/Weiß im Wechsel. Gegenüber im Gelände findet man Kunstwerke von Jenny Holzer und Günther Förg, ein paar Schritte weiter eine Skulptur des Schweizer Künstlers Max Bill. Alles ganz unprätentiös und fern aller white cubes, wie selbstverständlich in die Landschaft gestellt.

Webtipp: Über Wilhelm Wagenfeld

... und seine Zusammenarbeit mit der WMF:


[Foto: WMF]

Mittwoch, 22. August 2007

Podcast: Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz

[Foto: GRAFT Berlin]


Der Film stellt die Pläne des Berliner Architekturbüros Graft für eine Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz vor. Das Projekt soll bis 2010 auf dem Platz errichtet werden, auf dem erst das Berliner Stadtschloss und nach dessen Sprengung der Palast der Republik der DDR stand. Jetzt wird dieser abgerissen und zur Zwischennutzung soll es eine Kunsthalle auf Zeit geben.

Mehr zum Projekt von Graft unter:

http://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=1300
http://www.graftlab.com/