Freitag, 31. Juli 2009

Produktvorstellung: Lounge Chair



[Fotos: Richard Lampert]

Design: Herbert Hirche, 1953

Dieser Entwurf von Herbert Hirche verweist inbesonderem Maße auf die Tradition des Bauhauses, wo er von 1930 bis 1933 bei Mies van der Rohe gelernt hat. Nach dieser Zeit wurde er Mitarbeiter bei Mies van der Rohe und später bei Egon Eiermann. Der ›Lounge Chair‹ entsteht 1953 während seiner Zeit als Professor an der Akademie der Künste in Stuttgart. Er geht seinerzeit aber nie über das Prototypenstadium hinaus. Erst ab dem Jahr 2000 geht er in Serie mit unterschiedlichen Stoffen und in Kuhfell. Eine spannende Veränderung erfährt der›Lounge Chair‹ 2006 durch kleine Veränderungen. Der Designer Eric Degenhardt platziert auf Sitz- und Rückenfläche spezielle Nähte, die dem Sessel eine zusätzliche Extravaganz geben. Einen dieser modifizierten Sessel gibt es auch in einer Ausführung für den Garten. »Water resistant«! Erstmalig in der Geschichte des Designs kann ein klassisch gepolsterter Sessel sowohl im Wohnraum als auch im Garten verwendet werden. Zum Hersteller:

Webtipp: André Lützen







[Fotos: André Lützen]

Sonntag, 26. Juli 2009

Ausstellungstipp: Böse Dinge



[Foto: Museum der Dinge]

Bis zum 30. November 2009 ist im Berliner Museum der Dinge die Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" zu sehen.

"Wollen wir erkennen, worin der gute Geschmack besteht, müssen wir zuerst den schlechten Geschmack beseitigen."

Mit diesem Ziel eröffnete der Museumsdirektor Gustav E. Pazaurek 1909 im Stuttgarter Landesgewerbemuseum seine "Abteilung der Geschmacksverirrungen". Er entwickelte dafür eine komplexe Systematik zur Einordnung von Gestaltungsfehlern aller Art, um sie am Gegenstand selbst zu entlarven. Entsprechend der Philosophie des Deutschen Werkbunds ging Pazaurek von einem starken Einfluss der Dinge auf den Menschen aus, im ästhetischen wie ethisch-moralischen Sinne. Die strafrechtlichen Kategorien, mit denen Pazaurek die Dinge etikettierte, lesen sich wie eine Metaphorik des Bösen. Die Bösartigkeit der Dinge bezieht sich dabei nicht auf Taten, die mit ihnen ausgeführt werden könnten, nicht auf ihren Zweck oder ihren Zeichencharakter, sondern auf das Böse bzw. Schlechte, das sich in ihrer Ausführung, Gestaltung und in ihrer Funktionsfähigkeit manifestiert.

Die Ausstellung versucht erstmals eine Rekonstruktion der "Abteilung der Geschmacksverirrungen" und zeigt über 50 Leihgaben aus der Originalsammlung. Darüber hinaus nimmt sie Pazaureks Systematisierung als Ausgangspunkt, um aktuelle Gestaltungstendenzen zu untersuchen. Eine Auswahl zeitgenössischer Produkte – von der Massenware bis zum Designerstück – wird deshalb den historischen Objekten gegenübergestellt.

Im Zeitalter des Stilpluralismus scheint es heute unmöglich, eindeutige Kriterien des "guten" oder "schlechten" Geschmacks auszumachen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch erstens, dass Pazaureks Richtlinien unverändert auf zahllose zeitgenössische Gegenstände anwendbar sind, bei denen dabei gleichzeitig ein spielerischer und ironischer Umgang mit Gestaltung erkennbar wird und zweitens, dass moralische Kriterien im Zusammenhang mit einem neuen Konsumentenbewusstsein wieder wichtig werden. Jedoch sind heutige "Verbrechen" den Dingen nicht in erster Linie anzusehen, weil sie sich nicht in der Konstruktion, dem Material oder dem Dekor offenbaren, sondern im Kontext von sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren liegen. Pazaureks Fehlerkatalog wird deswegen um neue Kategorien ergänzt. [Text: Museum; gekürzt]

Donnerstag, 23. Juli 2009

Impressionen von der Ausstellung "Modell Bauhaus"














[Fotos: C. Hoff]

Ausstellungstipp: Modell Bauhaus







[Fotos: Designlines]

Die Ausstellung „Modell Bauhaus“ ist – auch wenn man das Wort kaum in den Mund nehmen mag – grandios. Von heute an kann der Designbegeisterte sie fast vier Monate im Berliner Martin-Gropius-Bau besuchen. Und eines sei vorweg empfohlen: Einen ganzen Tag sollte man sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um all diese Trouvaillen aus Design, Kunst und Architektur auf sich wirken zu lassen. Erarbeitet vom Bauhaus-Archiv Berlin sowie der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Museum of Modern Art in New York zeigt die Ausstellung, was das Bauhaus einst war: ein scheinbar unerschöpfliches Laboratorium des gestalterischen Schaffens, das auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Designlines hat sich in der Ausstellung auf Entdeckungsreise begeben und allerlei Schönes, Nützliches, Bekanntes, Neues und gar Erstaunliches für Sie herausgepickt. Weiter zum Artikel:

Freitag, 17. Juli 2009

In memoriam Julius Shulman (1910 - 2009)



Julius Shulman, Stahl Residence (Case Study House #22)
Los Angeles, California, 1960 Pierre Koenig, Architect
Photo © J. Paul Getty Trust

Nachruf von Benedikt Taschen:

http://www.taschen.com/pages/en/catalogue/architecture/reading_room/277.julius_shulman_died_at_98.1.htm

Donnerstag, 16. Juli 2009

Lieblingsort: Visby liegt auf Gotland





[Fotos: Visby Crêperie & Logi]

Lesetipp: Elbblick inklusive







[Fotos: Designlines]

Bauhaus-Gebäude und Meisterhäuser sind besichtigt, jetzt dürstet dem emsigen Dessau-Besucher nach etwas Kulinarischem, am liebsten mit Ambiente. Nun, dies ist hier nicht schwer zu finden: Nur wenige Minuten zu Fuß von den Ikonen der Bauhaus-Moderne entfernt, liegt ein Restaurant, das wahrlich Ambiente bietet. Das „Kornhaus“ – idyllisch in einer Elbschleife mit Sicht auf endlose Wiesen des Biosphärenreservats Mittlere Elbe situiert – befindet sich in einem Gebäude des Gropius-Schülers Carl Fieger aus den späten Zwanziger Jahren. 1994 bis 1996 wurde es umfassend und denkmalgerecht saniert und komplett mit Re-Editionen von Bauhaus-Klassikern ausgestattet. Hier geht's zum Artikel:

Ausstellungstipp: Catwalks



[Foto: NRW-Forum]

Bis zum 1.11.2009 findet im NRW-Forum in Düsseldorf die Ausstellung "Catwalks - die spektakulärsten Modenschauen" statt.

Das NRW-Forum, das in der jüngsten Vergangenheit bereits die opulente Retrospektive von Vivienne Westwood oder eine karg-minimalistische Catwalk-Ausstellung von Alexander McQueen ausstellte, zeigt jetzt die spektakulärsten Catwalks der Top-Designer als theatralische Inszenierung. Dabei wird der Besucher selbst zum Model auf dem Catwalk.

Am Anfang war das Theater der Ort der Mode: Was man bei Hofe trug, zeigte man zu Zeiten Marie Antoinettes am Theater. Auf der Bühne. Im Publikum. Ihre Hofschneiderin Rose Bertin stattete dann hölzerne Modepuppen in halber Lebensgrösse mit verkleinerten Versionen der neuesten Kleider und Accessoires aus, und ließ sie in luxuriösen Kutschen an die verschiedenen europäischen Höfe fahren. Der Vorläufer des Catwalk. Heute ist große Mode Theater, Spektakel. Eine Form der theatralischen Selbstdarstellung, der dramatischen Selbstinszenierung.

Die Ausstellung Catwalks zeigt die spektakulärsten Catwalks der Top-Designern aus den letzten Jahre: Große Auftritte wie bei Dior. Der Zirkus als theatralische Wunderkammer, wie bei Galliano. Dramatische Inszenierungen, wie bei Alexander McQueen. Konzeptionelle Performance wie bei Hussein Chalayan. Oder die festlich gedeckte Dinner-Tafel als Laufsteg, wie bei Dries van Noten.

Der Besucher wird selber zum Model auf dem Laufsteg. Er folgt dem Catwalk und gerät in die großen Modenschauen – diese werden durch Videoeinblendungen und Multimediainstallationen zu 3d-Live Spektakeln animiert. Weitere spektakuläre Modenschauen sehen die Besucher im Kino-der-Catwalks. [Text: Museum; gekürzt]

http://www.nrw-forum.de/index.php?f_articleId=867

Mittwoch, 15. Juli 2009

Bild des Tages



[Foto: C. Hoff]

Doshi/Levien in Frankfurt









[Fotos: C. Hoff]

Das Londoner Designbüro Doshi/Levien war als Personal Shopper auf der Messe "Tendence" in Frankfurt am Main unterwegs.

Ausstellungstipp: Le Corbusier - Kunst und Architektur



[Fotos: Martin-Gropius-Bau]

Noch bis zum 5. Oktober 2009 ist im Berliner Martin-Gropius-Bau die Ausstellung "Le Corbusier - Kunst und Architektur" zu sehen.

Le Corbusier (1887–1965) gilt als einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk hat bis heute einen beträchtlichen Einfluss auf Architektur und Städtebau. Die Ausstellung wird einerseits eine ausdrücklich zeitgenössische Sicht auf Le Corbusier vertreten und jüngste Forschungsergebnisse mit einbeziehen und versuchen den immer wiederkehrenden Diskurs über Le Corbusier gerecht zu werden. Andererseits soll sie als Einführung in das Werk des Architekten gelesen werden – insbesondere von jenen jüngeren Generationen, für die Le Corbusier bereits Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist.

Aufgeteilt in drei relativ unabhängige Bereiche Contexts, Privacy and Publicity sowie Built Art, wird die Schau Leitthemen von Corbusiers Werk herausgreifen: seine Faszination für die moderne Großstadt, sein Interesse am Mediterranen und dem Orient, seine Hinwendung zu organischen Formen in den dreißiger Jahren, aber auch sein Interesse an neuen Technologien und Medien. Erst die Zusammenfügung dieser und anderer Aspekte ermöglicht das ganzheitliche Verständnis seines Œuvre, das sich in einem zunehmend intensiveren Zusammenspiel von Architektur, Städtebau, Malerei, Design, Film und anderen Disziplinen manifestierte. Den Kern der Ausstellung wird eine Auswahl von Exponaten aus der Fondation Le Corbusier in Paris bilden.

Darunter sind Originalgemälde, Skulpturen, zahlreiche Originalmöbel, Originalzeichnungen und -pläne, Erstausgaben von Le Corbusiers Büchern sowie zahlreiche Kleinobjekte aus der privaten Sammlung des Architekten, die ihm als Inspiration, Vorlage und Demonstrationsobjekte dienten. Da für ein umfassendes Verständnis von Le Corbusier auch die wechselseitige Beeinflussung mit zahlreichen Zeitgenossen berücksichtigt werden muss, zeigt die Ausstellung erstmals auch zahlreiche Exponate von Zeitgenossen, mit denen er in enger Verbindung stand, darunter Originalmöbel von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sowie Gemälde von Robert Delaunay, Fernand Léger, Georges Braque, André Bauchant. Mit dieser Vielfalt unterschiedlichster Ausstellungsmedien soll die Ausstellung die historischen Vorbilder Le Corbusiers veranschaulichen und zugleich die technischen, formalen und philosophischen Hintergründe seiner Werke deutlich machen. [Text: Museum]

Freitag, 10. Juli 2009

Foto des Tages



[Foto: C. Hoff]

Lesetipp: In Frankfurt nichts Neues - Tendence 2009







[Fotos: Designlines]

Bei schwülwarmen Wetter herrschte am ersten Tag nur wenig Andrang auf der diesjährigen „Tendence“, die vom 3. bis 7. Juli in Frankfurt am Main stattfand und nur für das Fachpublikum ihre Pforten öffnete. Nach der „Ambiente“ die wichtigste Konsumgütermesse der Welt, bot die „Tendence“ auf 83.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bedauerlicherweise nur wenig Neues auf den drei Fachmessen „Living“, „Giving“ und „Collectione Preview Spring + Summer“. Während in den meisten Hallen viel Kitschiges, Unnützes, zuweilen gar Absurdes und allerlei Scheußlichkeiten angeboten wurden, war für den Design-Afficionado fast ausschließlich Halle 6.1 von Interesse. Zum Artikel:

http://www.designlines.de/feel/In-Frankfurt-nichts-Neues-Tendence-2009_787461.html

Lesetipp: YDMI Days 2009







[Fotos: Designlines]

Noch vor dem Dessert war es soweit: Andrej Kupetz vom Rat für Formgebung verkündete ihn, den Sieger der YDMI Days 2009. And the winner is: Markus Maurer. Zum dritten Mal fanden die YDMI Days – ein Kürzel für „Young Designers meet the Industry“ – statt, zum ersten Mal in Frankfurt. Und in der Mainmetropole kam es dann auch zu einer Premiere der ganz anderen Art: Gleich zwei Designer wurden von der Jury auf den ersten Platz gewählt. Und da das nicht sein darf, musste der Sieger in einer Stichwahl gefunden werden. Und nun hatte man die Qual der Wahl: Uli Budde oder Markus Maurer. Letzterer machte das Rennen und bekam den überproportional großen Scheck von Designer Stefan Diez überreicht. Obwohl noch etwas unsicher wirkend bei seiner Präsentation, bestach Maurers Entwurf einer zweiteiligen LED-Leuchte namens „Riga“ umso mehr. Das Besondere daran: Diese ist trotz nur einer Aufhängung und zwei länglichen Leuchtkörpern nicht aus der Balance zu bringen. HIer kann man weiterlesen:

Lesetipp: Erik Magnussen







[Fotos: Designlines]

Der 1940 in Kopenhagen geborene Designer Erik Magnussen machte 1960 seinen Abschluss als Keramiker am dortigen Kunsthåndværkerskolen. Danach war er für den Porzellanhersteller Bing & Grøndahl (heute Royal Copenhagen) tätig. Gleich einer seiner ersten Entwürfe für das Unternehmen war ein gestalterisch großer Wurf: ein Essservice namens „Form 679“ aus nur elf Einzelteilen, das aber trotzdem als vollständiges Service benutzt werden konnte, denn einzelne Teile übernahmen gleich mehrere Funktionen. Seit 1975 arbeitet Magnussen als Nachfolger von Arne Jacobsen für Stelton. Für den dänischen Hersteller entwarf er dann auch – was nur wenigen Designern zu Lebzeiten vergönnt ist – eine Ikone des Designs: die Thermoskanne, die heute in keinem Architekten-Haushalt fehlen darf. Der Däne wurde für seine Produkte mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – so ist er „Honorary Royal Designer for Industry“, verliehen von der Royal Society of Art in London. Er lebt und arbeitet in Klampenborg nördlich von Kopenhagen und ist auch als Hochschullehrer tätig. Wir sprachen mit Erik Magnussen – der trotz seines Erfolgs bescheiden und zurückhaltend geblieben ist – über die großen Fußstapfen von Arne Jacobsen, Teamarbeit, den Entstehungsprozess von Produkten und die Bedeutung von Schönheit. Zum Artikel: