Apple-Manie

Dieter Rams ist Schuld. Weil er die Dinge radikal vereinfacht hat. Nicht nur Regale und Ledersessel – nein, auch Tischfeuerzeuge, Zitruspressen und Plattenspieler. Das war vor über fünfzig Jahren. Als Design noch nicht in aller Munde war. Da kam Dieter Rams zu Braun ins beschauliche Königstein und seitdem weiß der stilbewusste Mensch: Fernseher, MP3-Player und Computer sind nicht irgendwelche technischen Geräte. Sie gehören zur perfekt eingerichteten Wohnung wie die Möbel von Eames, Aalto und Bertoia. Den Startschuss für diese Revolution gab SK4. Was kryptisch klingt, ging ein in die Designgeschichte als Schneewittchensarg. Sozusagen ein gestalterischer Super Coup der flotten Fünfziger. Eine in der Form reduzierte und leicht bedienbare Plattenspieler-Radio-Kombination mit einem Deckel aus Plexiglas. Die gute Form schlechthin, findet Apple-Designer Jonathan Ive. Auch die genialen Designentwürfe des Engländers finden sich inzwischen überall und werden hemmungslos nachgeahmt. Und nicht nur das. Es gibt immer mehr Dinge, die nicht funktionieren ohne iPhone, iPod & Co. BeoPlay A8 von Bang & Olufsen beispielsweise. Was aussieht wie ein Ghettoblaster aus den Achtzigern, ist in Wirklichkeit eine Dockingstation zum Abspielen digitaler Töne von David Bowie, Mick Jagger oder ABBA. Mit Apple Air Play natürlich. Gut, es gibt Entwürfe der Dänen, die gelungener sind. Doch ist hier wenigstens der perfekte Hörgenuss garantiert. Was man nun wirklich nicht von allen Herstellern behaupten kann. Neulich beispielsweise habe ich einen Kopfhörer von Urbanears geschenkt bekommen. Solch ein großes Ding, mit dem jeder coole Jugendliche gerade in der U-Bahn sitzt. Ich hatte mich für die komplett graue Version entschieden und war eigentlich ganz glücklich damit. Bis ich zuhause festgestellt habe, dass das Ding ganz furchtbar klingt und die Mikrofon-Funktion nur mit einem Apple-Gerät funktioniert. Da ich aber nur ein veraltetes Mobiltelefon von Nokia habe, schaute ich in die Röhre. Wieder einmal.

Claudia Simone Hoff